
Brief der Woche · Deutschland 1887
Was will der Junge werden?
Leipzig, 1887: Eine Mutter aus Bremen fragt, welchen Beruf ihr Sohn ergreifen soll. Die Redaktion empfiehlt drei Bücher – und erwähnt nebenbei die Töchter.
Alte Briefe an den Kummerkasten – im Original, übersetzt, erklärt
Briefe an den Kummerkasten · 1880–1940
Eine Buchhalterin in Suzhou, eine Arbeiterfrau in der Lower East Side, eine Leserin in Berlin. Jede Woche drei Briefe aus alten Zeitschriften – im Original, übersetzt, eingeordnet. Dazu die Frage, wo uns das heute wiederbegegnet.

Brief der Woche · Deutschland 1887
Leipzig, 1887: Eine Mutter aus Bremen fragt, welchen Beruf ihr Sohn ergreifen soll. Die Redaktion empfiehlt drei Bücher – und erwähnt nebenbei die Töchter.

Leipzig, 1887: Eine Mutter aus Bremen fragt, welchen Beruf ihr Sohn ergreifen soll. Die Redaktion empfiehlt drei Bücher – und erwähnt nebenbei die Töchter.

Shanghai, 1934: Eine Achtzehnjährige ernährt mit dreißig Yuan im Monat Mutter und Bruder. Zwei Männer wollen sie heiraten. Sie bittet die Redaktion, für sie zu wählen.

Berlin, 1928: Eine lesbische Leserin fragt, welcher Beruf zu Frauen wie ihr passt. Ihre Antwort: die Krankenpflege – gerade weil man dort Zärtlichkeit geben kann.

Berlin, 1928: Lesen lesbische Frauen den Bubikopf ab? Eine Leserin widerspricht. Ihre Bekannte trug jahrelang den Zopf – der Familie zuliebe. Dann kam die Schere.

1926: Eine Mutter will einmal ins Kino, während ihr Mann auf die Kinder aufpasst. Er schmollt tagelang. Dorothy Dix: „Harte Worte brechen keine Knochen.“

1926: Eine Stenotypistin arbeitet für zwei Firmen und bezahlt den ganzen Haushalt. Ihr Mann bringt sein Gehalt auf die Bank. Dorothy Dix antwortet in zwei Worten: Gewiss nicht.

New York, 1906: Eine Braut und ihr Bräutigam streiten, bevor sie geheiratet haben – über Kinder, die es noch nicht gibt. Die Zeitung rät: Lest Bücher, geht zu Vorträgen.

Shanghai, 1932: Yaying verdient so viel wie ihr Verlobter. Beide haben fast nichts. Die Redaktion rät zu getrennten Kassen – „im Westen längst üblich“.

Shanghai, 1932: Yajuan ist dreißig, ledig und pflegt die Eltern. Sie will hinaus in die Welt. Die Redakteurin antwortet radikal: Tun Sie, was Ihr Herz will.